Management Magazin

„Diese Zeit bietet Zunder“

Alte Konflikte, neue Krisen: Nach Monaten im Homeoffice kehren immer mehr Angestellte zurück ins Büro. Dieser Prozess muss intensiv begleitet werden, rät Managementberaterin Xenia von Moreau. Sonst finden Teams und Führungskräfte nur mühsam wieder zusammen.

Managementberaterin Xenia von Moreau im Portrait
Managementberaterin Xenia von Moreau | Foto: Simone Naumann

Die Büroflure und Kantinen füllen sich wieder: Immer mehr Angestellte kehren aus dem Homeoffice zurück ins Büro. Nur noch jeder dritte Beschäftigte im Dienstleistungsgewerbe arbeitet derzeit von zuhause aus, ergab im Sommer eine Studie des ifo-Instituts. Also alles wieder wie früher? So einfach ist es nicht, gibt Konfliktexpertin Xenia von Moreau zu bedenken. Die Managementberaterin begleitet Führungskräfte durch diese herausfordernde Phase. Denn Vorgesetzte sind jetzt besonders gefragt: Sie müssen ihre Teams stärken und für gegenseitiges Verständnis sorgen. Wie das gelingen kann, erklärt sie im Interview.

ELBCAMPUS: Frau von Moreau, Sie begleiten zahlreiche klein- und mittelständische Unternehmen bei der Rückkehr in die Präsenzarbeit. Wie gut gelingt den Firmen dieser Schritt?

Xenia von Moreau: Zunächst erleben viele ihn als einen Moment von großer Euphorie: Die meisten Mitarbeitenden freuen sich über das Wiedersehen mit den Kolleginnen und Kollegen. Endlich gibt es wieder Gespräche an der Kaffeemaschine oder zufällige Treffen auf dem Gang. Solche Kontakte sind während der Zeit im Homeoffice ja viel zu kurz gekommen, dabei sind sie sehr wichtig für das soziale Miteinander. Und auch für den Wissensfluss in einem Unternehmen sind sie unersetzlich: Bislang mussten Führungskräfte für nahezu jede Information ein Videomeeting ansetzen. Jetzt verbreiten sich Neuigkeiten oder Ideen auch wieder ganz von alleine. Vorgesetzte bekommen im Büro auch viel besser mit, wie es ihren Mitarbeitenden geht: Kleine Zwischentöne oder ihre Körpersprache sind online ja nur schwer zu interpretieren. Insofern herrscht bei vielen Unternehmen große Freude. Trotzdem zeigt sich schon jetzt, dass sich die Teams Zeit nehmen sollten für die Rückkehr ins Büro.

Warum? Wo hakt es?

Innerhalb vieler Teams ist durch die Pandemie doch eine gewisse Distanz entstanden. Schließlich haben sich die Mitarbeitenden oft über Monate nur über die Bildschirmkacheln bei den Videokonferenzen gesehen. Engeren Kontakt hatten sie nur zu Kolleginnen und Kollegen, mit denen sie direkt zusammenarbeiten oder die sie schätzen. Vor schwierigen Beziehungen – zu anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern oder aber auch zu Vorgesetzten – konnten sie im Homeoffice viel leichter abtauchen. Manche Konflikte lagen also nur auf Eis und fordern jetzt erst wieder eine Lösung. Die Pandemie verschärft die Situation aber auch, weil die Teammitglieder die Zeit im Homeoffice sehr unterschiedlich erlebt haben: Manche konnten sich zuhause vielleicht besser konzentrieren als im Büro, andere fühlten sich am privaten Schreibtisch dagegen überfordert, zum Beispiel, weil sie dort neben der Arbeit auch kleine Kinder zu betreuen hatten. Und wieder andere hatten große gesundheitliche Sorgen durchzustehen und gehen deshalb vielleicht eher ängstlich ins Büro. Treffen dort Kollegen mit so unterschiedlichen Erfahrungen aufeinander, birgt das jede Menge Konfliktpotenzial. Diese Zeit bietet einfach Zunder!

Wie sollten Führungskräfte darauf reagieren?

Ihre wichtigste Aufgabe ist jetzt, für gegenseitiges Verständnis zu sorgen. Nur so können sie die Teams wieder zusammenbringen, damit wieder alle Mitarbeitenden an einem Strang ziehen.

Wie kann das gelingen?

Die Teams brauchen jetzt Zeit zum Austausch. Erst wenn ich erfahre, wie es  anderen im Homeoffice erging, kann ich Verständnis dafür entwickeln, warum sich manche zurück in die Firma gesehnt haben, während andere auch künftig punktuell zuhause arbeiten wollen. So erfahre ich ganz deutlich: Alle haben in den vergangenen Monaten Kompromisse eingehen müssen. Von diesem Punkt aus können Vorgesetzte dann starten und gemeinsam mit den Angestellten planen, wie es in Zukunft weitergehen soll.

 

 

Können die Teams nicht einfach wieder so arbeiten wie vor der Pandemie?

Selbstverständlich können sie das, aber nur, wenn sie sich bewusst dafür entscheiden. Denn ich rate Unternehmen dringend dazu, die Mitarbeitenden in die Planung für die Zeit nach Corona miteinzubeziehen. Viele wünschen sich Möglichkeiten, auch künftig flexibler zu arbeiten. Insofern sollten Teams intensiv darüber sprechen, welche Ideen, Konferenzformate oder Arbeitsmodelle sie vielleicht mitnehmen wollen aus der Zeit der Pandemie. Und was sie umgekehrt wieder so machen wollen wie früher – oder ganz anders. Auch schwelende Konflikte müssen jetzt angesprochen werden. Für all das reicht in der Regel kein einmaliger Workshop, sondern dieser Prozess muss längerfristig aktiv gestaltet und begleitet werden. Für Führungskräfte biete ich dazu zum Beispiel Seminare und Coachings an.

Welche Rolle spielen die Vorgesetzten in diesem Wandel?

Sie müssen zum einen bereit sein, ihren Mitarbeitern sehr genau zuzuhören und ihnen auch Zeit geben für den Austausch untereinander. Zum anderen aber sollten sie auch ihre eigene Rolle und ihren Führungsstil hinterfragen: Manche Vorgesetzte kommen sehr gut damit klar, dass ihre Teammitglieder im Homeoffice sehr viel selbstständiger gearbeitet haben als bisher. Andere aber haben das als Kontrollverlust erlebt. Sie müssen ihre Rolle neu definieren, denn eins ist klar: Viele Teams wollen nicht mehr zurück zum Status vor Corona.

Sind gemeinsame Präsenztermine bei diesem Prozess hilfreich?

In meinen Augen sind sie sogar unersetzlich. Vorgesetzte und Mitarbeitende sollten sich jetzt wieder regelmäßig sehen, damit der Teamgeist wächst, Ideen fließen und Konflikte ausgeräumt werden können. In größeren Unternehmen bieten sich auch kreative Begegnungs-Formate an, zum Beispiel das Lunch-Roulette: Dabei können Angestellte ein Computerprogramm auslosen lassen, mit welcher Kollegin oder welchem Kollegen sie zum Mittagessen gehen. So wird auch der Kontakt quer durch die Abteilungen wieder verstärkt.

Also ein ganzes Bündel an Maßnahmen.

Ja, das ist eine fordernde Führungsaufgabe. Aber ich erlebe in meinen Seminaren auch, wie gut es vielen Vorgesetzten gelingt, die Konflikte zu lösen: Mit der Zeit schwinden die Frustrationen. Und stattdessen baut sich wieder ein für alle motivierendes Umfeld auf.


 

Xenia von Moreau ist Trainerin und Coach für Führungs- und Zusammenarbeitskultur. Mit 25 Jahren Erfahrung in der Entwicklung und Durchführung von Seminaren verfügt sie über eine große Schatzkiste an Impulsen, Perspektiven, Tools und Ansätzen, aus denen ihre Teilnehmer*innen schöpfen können. An der ELBCAMPUS Management Akademie in Hamburg leitet Frau von Moreau unter anderem das Seminar „Erfolgreiches Konfliktmanagement für Führungskräfte“, in dem wertvolle Strategien für das Konfliktmanagement entwickelt und praxisorientiert bearbeitet werden.

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