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04. Januar 2011Nachqualifizierung von Migranten - Laminieren auf gut Deutsch

„Ich kann viel mit den Händen machen“, sagt El Hacen Ould Brahim Grimault. Doch ein Handwerker war der 37-jährige Mauretanier bislang nicht. Der dreifache Familienvater hat einen Master in Jura aus Frankreich mitgebracht, der hier nicht viel galt. In Deutschland arbeitete er zuletzt als selbstständiger Kurierfahrer – bis die Wirtschaftskrise kam. Untätig herumzusitzen ist seine Sache jedoch nicht. Über einen Bericht im „Hamburger Abendblatt“ fand Grimault zum Elbcampus und dem Nachqualifizierungsprojekt im Handwerk.
„Wir können die altersbedingten Abgänge im Handwerk nicht allein durch Ausbildung ersetzen“, erklärt Heinrich A. Rabeling, Leiter der Bildungszentren der Handwerkskammer Hamburg, die Ausgangslage. 5.000 Handwerkern, die in Hamburg jährlich in den Ruhestand gehen, stehen nur 2.500 neue Gesellen gegenüber.
Schneller Einstieg
Hoffnungen ruhen vor diesem Hintergrund auf den 27 % aller Hamburger, die laut Mikrozensus 2005 aus Einwandererfamilien stammen. 44 % von ihnen haben keinen Berufsabschluss, viele suchen aber Arbeit. „Um möglichst rasch einsatzfähige Arbeitskräfte zu erhalten, setzen wir bei den Erwachsenen an“, sagt Rabeling. Migranten ab 25 Jahre, die über keinen Berufsabschluss verfügen oder deren Abschluss in Deutschland nicht anerkannt wird, können das Angebot der Nachqualifizierung nutzen. Im Beratungsgespräch wird ermittelt, welches Profil, welche Vorerfahrungen und Stärken sie mitbringen.
Gesuchte Fachkräfte
Inhaltlich setzt das Modellprojekt an, wo der Bedarf an Fachkräften am größten ist: Für das Handwerk bildete die Qualifizierung zur Fachkraft für glasfaserverstärkte Kunststoffe (GFK) den Auftakt, zudem gibt es Kurse für Servicekräfte und Logistiker im Gesundheitswesen – auf Wunsch auch firmenintern. Im vierwöchigen Fachkurs mischen sich Migranten und deutsche Teilnehmer. „Der Unterrichtsstoff bleibt unangetastet“, unterstreicht Jan Zimmermann, Bildungsmanager für den GFK-Kurs und Leiter des Kunststoffzentrums am Elbcampus. Den DVS-Schein, der als Nachweis der Fähigkeiten im Laminieren fungiert, gibt es schließlich nicht geschenkt.
Muffe neu im Wortschatz
„Einen Begriff wie Muffe kannte ich nicht“, erzählt Kursteilnehmer Grimault. Er ist dankbar für die Unterrichtsbegleitung durch eine Dozentin für Deutsch als Zweitsprache. Sie lieferte Worterklärungen und unterstützte bei der Prüfungsvorbereitung. Auch die Ausbilder hatten einen Lehrgang absolviert, um sprachliche Klippen zu umschiffen. „Aber Fachwörter wie Thixotropiermittel müssen alle Teilnehmer lernen“, sagt Dozent Marko Stasiuk und lacht. Der Elektrotechnik-Meister kennt die Situation, fremd zu sein, gut: 17 Jahre hat er selbst außerhalb Europas gearbeitet.
Fragen stellen erwünscht
Ein Vorbereitungskurs zur berufsbezogenen Sprachförderung ist ein weiteres Modul, um den Migranten die Qualifizierung und den Berufseinstieg zu erleichtern. Denn im Job müssen sie auch kompliziert formulierte Sicherheitsanweisungen verstehen. Es geht dort aber ebenso um kulturelles Wissen: „Ganz wichtig ist, dass die Teilnehmer lernen, dass Fragen am Arbeitsplatz erwünscht sind“, nennt Johanna Reutter vom Elbcampus, die den Sprachförderkurs konzipiert hat, ein Beispiel. Brahim Grimault ist inzwischen stolzer Besitzer des DVS-Scheins sowie eines Handwerkskammer-Zertifikates als GFKFachkraft.
Er hat sich mit dem Kurs eine neue Welt erschlossen, die des Kunststoffs: „Früher habe ich gesagt: alles Plastik.“ Mit Begeisterung erklärt der Mann aus Nordafrika, wie eine Laminatkonstruktion hergestellt wird.
Ob er seine Chance im Boots-, Rohrleitungs- oder Rotorbau erhält, ist für ihn zweitrangig. Auf seinem neuen Wissen will der Mauretanier aus Harburg in jedem Fall weiter aufbauen. „Unsere Absolventen können sofort mit der Arbeit loslegen“, weiß Jan Zimmermann. „Die Vermittlungsquote liegt bei 95 %.“. NordHandwerk / cro
Kontakt und Beratung:
Mine Bagatar, Handwerkskammer
Hamburg, Tel.: 040 35905 457, E-Mail:
mbagatar@hwk-hamburg.de
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