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17. Juni 2010Unternehmensführung: Wenn der Chef zum Trainer wird

Unternehmen funktionieren in vieler Hinsicht wie Fußballvereine. Mit der passenden Aufstellung, Taktik und passenden Regeln gilt es, den Kunden wie einen Ball zu erobern und zu halten.
„Jede Firma lässt sich wie ein Fußballverein führen“, sagt Unternehmensberater Mirko Schneider. Seine Philosophie: Der Beruf ist nicht der Ernst des Lebens, sondern das Spiel des Lebens. Dieses gilt es erfolgreich zu gestalten. Der Chef ist Trainer. Seine Mitarbeiter sind die Feldspieler. Und der Kunde ist der Ball. Ziel ist es, den Ball zu erobern, ihn zu halten und ins Tor zu schießen. Das gelingt nur mit einer passenden Aufstellung, einer verständlichen Taktik und klaren Regeln.
Der Tabellenstand
Der Chef sollte einen prüfenden Blick auf die Voraussetzungen seiner Firma werfen. Wie im Sport helfen dabei Tabellen. Sie zeigen, wo die eigene Firma im Vergleich zu anderen steht. Geht es um die Meisterschaft oder gegen den Abstieg? Nur so lassen sich realistische Ziele formulieren.
Die Aufstellung
Diese Ziele kann nur ein schlagkräftiges und motiviertes Team umsetzen. Der Unternehmer steht als Trainer am Spielfeldrand und hat eventuell noch einen Manager, Personalleiter und Präsidenten an der Seite. Je größer die Firma ist, um so mehr Positionen kann er auf dem Spielfeld besetzen. Im Idealfall spielen die Verkäufer im Sturm. Hinter den Spitzen agiert die Verwaltung. Auf den Flügeln flitzen die Logistiker und im Mittelfeld sorgt das Marketing für die kreativen Momente des Spiels. Abgesichert wird die Mannschaft im defensiven Mittelfeld und der Abwehr durch die Produktion, Einkäufer, Computerfachleute und Finanzexperten. Das Tor hütet die Rechtsabteilung.
Handwerker spielen mit einem weniger kompakten System. Häufig sind lediglich der Trainerposten, das Büro und die Produktion besetzt. Der Chef ist Manager, Präsident und Verkäufer in einer Person. Kreuz und quer hetzt er über das Spielfeld. Morgens verteilt er als Trainer die Arbeit an seine Gesellen. Vom Spielfeldrand sprintet er in den Sturm und schreibt als Verkäufer in der Hoffnung auf ein schnelles Tor Angebote. Am Nachmittag rückt er für Gespräche mit dem Steuerberater in die Abwehr und hütet schließlich im Gespräch mit seinem Rechtsanwalt das Tor. Doch damit nicht genug. Am Abend verlässt der Chef wieder den Rasen und ist als Präsident auf einer Veranstaltung Repräsentant seines Unternehmens. Kurz vor dem Feierabend entwickelt er als Manager Strategien. Unternehmern mit solchen Aufstellungen empfiehlt Mirko Schneider eine einfache Taktik. Die Mitarbeiter müssen auf mehreren Positionen einsetzbar sein und Räume schließen können. Vom Spielfeldrand aus sollte der Chef sein Team gut im Blick haben. Um zu erkennen, wer auf welcher Position spielen kann, empfiehlt Mirko Schneider das herkömmliche Organigramm einmal um 90 Grad zu drehen und um die Abteilungen ein Spielfeld zu zeichnen.
Trainer oder Manager
Bei seiner Taktik muss der Chef für sich festlegen, ob er Trainer oder Manager ist. Mirko Schneider beschreibt den Trainer als einen Typen, der Menschen entwickeln möchte. Er muss die direkte Ansprache beherrschen und bereit sein, immer und immer wieder die Aufstellung und Taktik zu erklären. Anders verhält sich der Manager. Er fordert das stetige Mitdenken seiner Spieler, denkt selbst strategisch und beherrscht die Finanzen. Dabei vergisst er aber häufig, dass seine Spieler nicht seinen Überblick vom Rand aus haben. „Wenn ein Chef die Möglichkeit hat, sollte er sich für seinen schwächeren Teil Verstärkung ins Unternehmen holen“, sagt Mirko Schneider.
Die Führungsspieler
Auf dem Spielfeld braucht der Trainer Typen vom Kaliber eines Michael Ballacks. Als verlängerter Arm haben diese Mitarbeiter die Fähigkeiten andere zu begeistern, mitzureißen und aufzubauen. Sie denken selbst strategisch, können das Spiel lesen und Akzente setzen. Gemeinsam müssen Führungsspieler und Trainer den Kampfgeist der Mitspieler wecken, um zum Erfolg zu kommen.
Die Regeln
Jedes Spiel, jede Taktik braucht klare Regeln. Die sind keinesfalls mit Strafen verbunden. Sie sollen den Fokus auf das Ziel lenken, das Spiel beschleunigen und das Unternehmen weiter nach vorne bringen. Um Schwung und Ideen ins Unternehmen zu bekommen, könnte ein Chef vereinbaren, dass Nörgeln nur in Verbindung mit eigenen Ideen erlaubt ist. Dafür helfen regelmäßige Mannschaftsbesprechnungen und Einzelgespräche. Der Trainer sollte ederzeit signalisieren, dass er ansprechbar und offen für Kritik ist.
Flexible Spielweise
Seine Aufstellung, Taktik und Regeln bilden den Rahmen für das Spiel. „Nach Anstoß kommt ja dann meist eh vieles anders“, sagt Mirko Schneider. Doch selbst wenn ein Spieler nicht gleich das Tor trifft, muss nicht das gesamte System hinterfragt werden. Das Team sollte vom Trainer so auf das Spiel eingestellt werden, dass es schnell auf Veränderungen reagieren kann und nicht in einen Konter der Gegner läuft. NordHandwerk / Jens Seemann (Foto: js)
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