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13. Oktober 2010Die Vergangenheit durchleuchten

Bei den Ausgrabungen auf dem spätsächsischen Gräberfeld von Neu Wulmstorf-Elstorf entdecken die Archäologen des Helms-Museum immer wieder Grabbeigaben: Funde aus Glas und Metall, die den Verstorbenen mit ins Grab gelegt wurden, weil sie zu deren Tracht oder Haushaltsgerät gehörten. Die meisten der Metallobjekte sind allerdings durch die 1200 Jahre lange Lagerung im Boden stark angegriffen. Was also tun damit?
Da die Freilegung direkt vor Ort aus Zeitgründen und wegen der Witterung kaum in Frage kommt, werden die Metallfunde in einem Gipsblock eingeschlossen und ins Museum gebracht. Dort können sie später in der Restaurierungswerkstatt sachgemäß untersucht werden. Um den Zeitaufwand zu reduzieren und dem Restaurator Anhaltspunkte dafür zu liefern, wie er die Funde am besten präparieren kann, ist es sinnvoll, sich vorab einen Eindruck von dem Fund zu verschaffen. Die Gipsblöcke müssen also geröntgt werden, die einzig sinnvolle zerstörungsfreie Prüfmöglichkeit.
Da das Helms-Museum aber nicht über eine Röntgenanlage verfügt, war ein Kooperationspartner nötig, der in diesem Jahr mit der Schweißtechnischen Lehr- und Versuchsanstalt Nord (SLV Nord) erfreulicherweise direkt in Harburg mit Sitz im ELBCAMPUS gefunden wurde.
Dort werden die Gipsblöcke seit Kurzem in der digitalen Radioskopie untersucht. „Das ist für uns ein Riesenfortschritt“, so Jochen Brandt, Kreisarchäologe für den Landkreis Harburg und für die Ausgrabung verantwortlich. „Früher musste man durch halb Deutschland fahren, um eine adäquate Anlage zu finden. Oder man hat Röntgengeräte im Krankenhaus oder in einer Arztpraxis verwendet, die ja aber für einen ganz anderen Zweck ausgelegt und sehr unflexibel in der Handhabung sind.“ In der digitalen und sehr modernen Anlage der SLV Nord hingegen kann das Objekt dreidimensional durchleuchtet werden, und da der Röntgenstrahl permanent arbeitet, sehen die Archäologen sofort das Ergebnis und können ihre Funde so drehen, dass der bestmögliche Einblick erzeugt wird.
Für die Werkstoffprüfer der SLV Nord ist es etwas ganz besonderes und eine Herausforderung der anderen Art, mal keine Schweißnähte, sondern fragile Gipsblöcke zu durchstrahlen, meint Sven Noack, Leiter der SLV Nord.
Eine Riesenüberraschung hat die Kooperation der Archäologen mit der SLV Nord auch noch geliefert. „Teilweise sind in den Gipsblöcken Abdrücke organischer Bestandteile zu erkennen, die im Erdboden überhaupt nicht mehr vorhanden sind. Sie sind scheinbar als bloßer Dichteunterschied im Erdboden erhalten“, meint Brandt. Durch das Röntgen werden so neue archäologische Erkenntnisse erzeugt, die bei der Ausgrabung vor Ort gar nicht mehr zu gewinnen wären.
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