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06. Dezember 2010
Duales Bachelor-Studium: Handwerk mit Schärpe

Bachelor 2010

Nach vier Jahren Ausbildung kennen sie sich nicht nur in ihrem Metier als Bäcker oder Gebäudereiniger aus: Auch betriebswirtschaftliches Wissen von Marketing bis Personalmanagement bringen die ersten 24 Bachelor-Absolventen der Berufsakademie Hamburg mit. Eine Kombination, die auf steigende Führungsanforderungen im Handwerk zugeschnitten ist.

Der erste Jahrgang, im Oktober 2006 gestartet, ist am Ziel – erschöpft, aber glücklich. Bei dem dualen Studium werden parallel eine handwerkliche Ausbildung in einem Betrieb und der Studiengang „Betriebswirtschaft KMU“ absolviert. Der Fokus liegt dabei auf den Anforderungen kleiner und mittlerer Unternehmen. Am Ende halten die Absolventen nicht nur den Gesellen- oder Facharbeiterbrief in ihrem jeweiligen Ausbildungsberuf in Händen, sondern erwerben darüber hinaus einen international anerkannten Bachelor-Abschluss.

Anreiz für Abiturienten

Sichtbarer Ausdruck der akademischen Weihen war bei der feierlichen Verabschiedung in der Galerie der Handwerkskammer Hamburg eine Schärpe, die Kammerpräsident Josef Katzer jedem der 24 jungen Hoffnungsträger des Handwerks um die Schultern legte. Katzer unterstrich die Bedeutung der Berufsakademie, um vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels geeigneten Führungskräftenachwuchs zu gewinnen, der gewappnet ist für ständig steigende Anforderungen im handwerklich-technischen Bereich ebenso wie in der Betriebsführung. Der Bachelor-Abschluss ist gerade für Abiturienten ein zusätzlicher Anreiz, ins Handwerk zu gehen, so der Grundgedanke, der der anspruchsvollen dualen Konzeption zugrunde liegt.
Vier Jahre doppelt gefordert: Der Lohn sind ein international anerkannter Bachelor-Abschluss und der Gesellenbrief – für Katja Bühler (rechts) als Tischlerin, für Kristina Drewes (Mitte) als Metallbauerin.
Aktuell studieren in den Räumen des Elbcampus in Harburg 180 junge Frauen und Männer, allein im Herbst nahmen 50 Abiturienten und Fachabiturienten das Bachelor-Studium an der Berufsakademie auf.
Den ersten Absolventen bescheinigte Präsident Katzer „ein hohes Maß an Leistungsbereitschaft und Beharrungsvermögen“.

Auch das qualifiziere sie für künftige

Führungsaufgaben in den Betrieben. Einiges sei ihnen abverlangt worden: Neben dem wissenschaftlichen Unterricht am Freitag und Sonnabend sowie in kleineren Vollzeitblöcken standen 40 Modulprüfungen auf dem Studienplan – zusätzlich zur handwerklichen Ausbildung und der Berufsschule. Die zeitliche Koordination war eine Herausforderung für Studierende und Ausbildungsbetriebe gleichermaßen. Starker Praxisbezug Prof. Dr. Joachim von Kiedrowski, Leiter und einer der vier Professoren der BAH, nannte bei der Urkundenübergabe die Titel der Abschlussarbeiten: Themen wie die strategische Planung von Kooperationen zwischen Handwerksbetrieben für Leistungen aus einer Hand oder die Förderung älterer Mitarbeiter zielten durchweg auf den praktischen Nutzen für den Betrieb – hier macht sich die Investition in die Ausbildung ein erstes Mal bezahlt.

Entkräftet haben die Absolventinnen und Absolventen auch die Befürchtung, das handwerkliche Können komme beim dualen Studium zu kurz: Sie stellten mehrere Bundes- und Landessieger beim Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks sowie Preisträger beim Tischlerwettbewerb „Die gute Form“. Die drei Jahrgangsbesten erhielten zu Schärpe und Zeugnis noch eine besondere Auszeichnung: Gebäudereiniger Mirco Meyer für Platz drei, Kfz-Mechatroniker Robert Kelling als weiter und Tischler Lasse Schley als bester Absolvent nahmen den Preis der Lewien-Stiftung entgegen, dotiert mit zusammen 3.500 €. Auf eine gute Rendite durch das duale Studium dürfen indes auch die anderen 21 des ersten BAH-Jahrgangs hoffen. NordHadnwerk/co

Nachgefragt:

Rolf Drewes,
Geschäftsführer Karl Ernst Koch GmbH, und Kristina Drewes

NordHandwerk: Herr Drewes, Ihr Metallbau-Betrieb gehört zu den ersten, die einen Ausbildungsplatz für das duale Studium zur Verfgung gestellt haben. Was war Ihre Motivation?

Rolf Drewes: Wir sind ein Familienunternehmen. Da gibt es das Interesse, die Nachfolge zu sichern über eine passende Ausbildung. Bei uns geschieht das in doppelter Hinsicht: Unsere Tochter hat das duale Studium absolviert, unser Sohn ist seit kurzem auf der Meisterschule.

NordHandwerk: Hat das Wissen aus dem Studium schon konkreten Nutzen für den Betrieb?

Rolf Drewes: Zurzeit erfolgt noch die Einarbeitung. Unsere Tochter ist an drei Tagen in der Werkstatt und auf Baustellen im Einsatz und an zwei Tagen im Büro. Sie hat einen geschulten Blick, was Arbeitsabläufe betrifft. Ich habe 20 Jahre versucht, etwas umzusetzen, Kristina hat es geschafft.

Kristina Drewes: Gerade sammle ich noch praktische Erfahrungen und stehe am Beginn, eigene Aufgabengebiete in der Geschäftsführung zu finden. Es wird sich zeigen, ob zum Beispiel die Kundenbetreuung eines Tages dazugehört. Und in meiner Abschlussarbeit habe ich Optimierungen für die Aufbauorganisation der Firma nach 25 Jahren des Wachstums aufgezeigt. Da möchte ich weitermachen.

NordHandwerk: Rückblickend – war das duale Studium die richtige Wahl?

Kristina Drewes: Es war schon anstrengend. Aber nach meiner Ansicht ist es eine der besten Formen, eine Ausbildung zu machen. Was man am Wochenende im Studium lernt, erkennt man am Montag im Betrieb wieder. Man hat einen anderen Blick auf die Arbeitsprozesse.

(Foto: Vier Jahre doppelt gefordert: Der Lohn sind ein international anerkannter Bachelor-Abschluss und der Gesellenbrief – für Katja Bühler (rechts) als Tischlerin, für Kristina Drewes (Mitte) als Metallbauerin.)


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