ELBCAMPUS

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03. September 2009
Rückkehr des Eisspeichers

Einweihung des Eisspeichers im Elbcampus

Einer der Höhepunkte der Einweihung des neuen Erdgaskompetenzzentrums im ELBCAMPUS war die Vorstellung einer Gasabsorptionswärmepumpe und eines Eisspeichers. Der alte Gedanke, Kälte aus dem Winter zu speichern und damit im Sommer zu kühlen, wird jetzt mit modernster Technik neu umgesetzt und sorgt für optimale Energieeffizienz.

Im Mittelalter bauten die Menschen Eisgruben und später Eishäuser, um Fleisch und schnell verderbende Waren im Sommer kühlen zu können. Im 19. Jahrhundert lagerten Brauereien das Bier in riesigen Eiskellern. Dazu stachen sie im Winter Eisplatten aus Teichen. Zum Teil arbeiteten die Brauereien bis Ende der 50er Jahre mit Eiskellern. Die Kälte des Winters im Sommer nutzen: Auf dieses Prinzip greift der neue, von der Firma Isocal entwickelte und patentierte Eisspeicher zurück. Im Rahmen der Einweihung des neuen Erdgaskompetenzzentrums auf dem Elbcampus am 7. August präsentierten die Handwerkskammer Hamburg und die E.ON Hanse AG einen in Norddeutschland einzigartigen Eisspeicher, der einen technologischen Sprung nach vorne in der klimaschonenden Energieversorgung darstellt.

Der Eisspeicher konserviert Energie

In Kombination mit einer Absorptionswärmepumpe liefert der Eisspeicher im Winter Wärme zum Heizen und im Sommer Kälte zum Kühlen. Die Wärmepumpe nutzt den Eisspeicher im Winter als Wärmequelle, bis das Wasservolumen im Speicher durchgefroren ist. Im Sommer wird die im Eis gespeicherte Kälte ohne energetischen Zusatzaufwand zur Klimatisierung der Gebäude genutzt. Dadurch verbessert sich die Energiebilanz der Gaswärmepumpe, ihre Effizienz steigt und Kohlendioxid-Emissionen können drastisch gesenkt werden; und das bei geringen Betriebskosten.

Das neue Erdgaskompetenzzentrum

Eisspeicher und Gasabsorptionswärmepumpe ergänzen das Angebot des neuen „Kompetenzzentrums für innovative Erdgasanwendungen“ im ELBCAMPUS, das in einer Kooperation der Handwerkskammer Hamburg mit E.ON Hanse entstanden ist. In dem speziellen, hochmodern ausgestatteten Erdgas-Schulungsraum werden künftig Mitarbeiter des Fachhandwerks ausgebildet und weiterqualifiziert. Neben den heutigen Standardtechnologien wie der Brennwerttherme findet sich im Schulungsraum auch zukünftige Technik wie die beschriebene Gasabsorptionswärmepumpe, Brennstoffzellenheizung, Blockheizwerk und Strahlungsheizung. Um optimale Weiterbildung leisten zu können, sei es wichtig, sowohl heutige Standards als auch zukünftige Technik zu vermitteln, erklärte Handwerkskammerpräsident Josef Katzer, der das neue Erdgaskompetenzzentrum einweihte. Handwerker müssten beides können: Jahrzehnte alte Anlagen reparieren und gleichzeitig neue Techniken anbieten, die sich erst in den nächsten Jahren am Markt durchsetzen werden.

Handwerker setzen Klimaschutz um

In seinem Grußwort machte Josef Katzer weiter deutlich: „Für jedes Umwelt- beziehungsweise Klimaschutzvorhaben bedarf es Handwerker, die auf den neuesten Stand der Technik qualifiziert sind, um Qualität und Effizienz zu sichern. Wir präsentieren hier eine Technik, die den Markt erst noch durchdringen wird, die wir hier aber schon schulen können.“ Denn Fachhandwerker sind diejenigen, die die neuen Technologien umsetzen, sie einbauen, warten und gegebenenfalls reparieren. Hinzu kommt, dass die Handwerker direkt mit dem Endverbraucher in vertrauensvollem Kontakt stehen, sie beraten und auf neue Möglichkeiten in der Umwelttechnologie hinweisen können.

Umwelttechnik ist ein Zukunftsmarkt

Josef Katzer sieht im Klimaschutz und in der Umwelttechnik einen riesigen Zukunftsmarkt für das Handwerk. Deshalb setzt er in diesem Bereich auch einen der Schwerpunkte seiner neuen Amtszeit. Mit dem Zentrum für Energie-, Wasser- und Umwelttechnik (ZEWU) ist die Handwerkskammer 1985 schon früh in diese Richtung gestartet. Diesen Vorsprung gilt es jetzt auszubauen. „Ich möchte meine Präsidentschaft dazu nutzen, dass sich das Handwerk noch stärker der Umwelttechnik annimmt“, betonte Katzer. Experten sind sich sicher, dass die Kombination aus Wärmepumpe und Eisspeicher bald den Markt erreichen wird. Schon heute hat ein Hotel in Süddeutschland einen Eisspeicher eingebaut, und die Firma Isocal ist dabei, kleinere Eisspeicher für Einfamilienhäuser zu entwickeln. Einen Eiskeller zuhause im Garten zu haben, wie die Generation unserer Großeltern es zum Teil noch hatte, kann auf diesem Wege wieder ganz aktuell werden. NordHandwerk/kw

Wie funktioniert ein Eisspeicher?

Schematische Darstellung der Funktionsweise eines EisspeichersUnter einem Eisspeicher versteht man einen im Erdreich verborgenen mit Wasser gefüllten Behälter, dessen Größe von der Menge der aufzunehmenden Energiemenge abhängig ist. Der Eisspeicher oder genauer das Wasser ist in der Lage in einem Wärmepumpenprozess Kälte- bzw. Wärmeenergie über Monate zu speichern.
In Kombination mit einer Absorptionswärmepumpe kann der Eisspeicher im Winter Wärme zum Heizen und im Sommer Kälte zum Kühlen liefern. Denn der Eisspeicher nimmt die jeweils nicht benötigte Seite aus dem Energiestrom auf und speichert sie. Auf diese Weise wird keine Energie mehr ungenutzt an die Umwelt abgegeben. Und so funktioniert’s: Der Prozess startet im Winter. Für die Gebäudeheizung wird dem Eisspeicher über einen Wärmetauscher die im zunächst flüssigen Wasser enthaltene Wärme entzogen bis das Wasservolumen des Speichers durchgefroren ist. Wechselt nun das System vom Heiz- in den Kühlbetrieb, wird dem Eis die Kälte wieder entzogen, um damit die Räume zu kühlen. Die aus dem Gebäude entzogene Wärme wird gleichzeitig dem Eisspeicher zugeführt, so dass sich das Eis im Laufe der Zeit immer mehr erwärmt und taut. Das Gebäude wird so zum leistungsfähigen Sonnenkollektor, welches den Solarertrag im Wasser-/Eisspeicher konserviert. Mit dem Start der neuen Heizsaison beginnt der der Kreislauf von neuem.


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