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11. September 2008
Energie sparen - die Kammer hilft

Bilyana Bayri, Geschäftsführerin der Ari Bäckerei, und Bäckermeister Kemal Anilir

Klima- und Ressourcenschutz sind zentrale Herausforderungen der heutigen Generation. Energieeffizienz wird angesichts ungebremsten Kostenauftriebs zur betriebswirtschaftlichen Notwendigkeit. Was man tun kann, und dass guter Rat nicht gleich teuer ist, lesen Sie hier.

Die Kalkulation der Anlage steht, die Anträge sind gestellt. Läuft alles nach Plan, dann wird die Ari Bäckerei GmbH in Hamburg Jenfeld noch in diesem Jahr für heißes Wasser und die Wärme aus den 40 Heizungsverteilern keinen Cent mehr zahlen. Der 18-Mann-Betrieb will in die Installation einer modernen Wärmerückgewinnungsanlage investieren. Anstatt die von den drei Backöfen mit hohem Ener­gieeinsatz erzeugte heiße Abluft in den Himmel zu pusten, wird sie in Zukunft weiter genutzt. „Wir rechnen mit einer Energiekostenersparnis von 30 bis 50 %“, sagt Ari-Geschäftsführerin Bilyana Bayri.
Der Impuls, über Energieeinsparung und Klimaschutz nicht nur nachzudenken, sondern auch zu handeln, kam vom ZEWUmobil, einem Projekt der Handwerkskammer Hamburg. Das mobile Vor-Ort-Beraterteam unter der Leitung von Manfred Tschöpe und Kai Hünemörder spricht aktiv Inhaber an, führt Betriebsbesuche durch, bei denen Einsparpotenziale sichtbar gemacht werden, zeigt Optimierungschancen auf, knüpft Kontakte zu Experten und begleitet die Unternehmen während der Umsetzung. Gefördert wird das Projekt aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) und der Hamburger Umweltbehörde.
„Wir sind keine Gebäudeenergieberater“, erklärt Projektleiter Manfred Tschöpe. Wir sind auch keine Experten für jedes Gewerk. Unser Anspruch ist es, Anstöße zu geben.“ Es bestehe ein erheblicher Mangel an individueller Erstberatung.
An dem Punkt setzen die Berater an. „Aber wir sagen nicht nur, dieses oder jenes könnte man machen, und gehen dann“, unter­
streicht Tschöpe. „Dann passiert nämlich in der Regel nichts, weil das Tagesgeschäft die Verantwortlichen schnell einholt. Das ZEWUmobil-Team bleibt mit den Betrieben im Gespräch, bietet immer wieder Hilfestellung an. Wir haben die Funktion eines neutralen Lotsen. Das Ziel ist es, über die Beratung hinaus tatsächlich Investitionen in Energieeffizienz auszulösen.“

Schauen, rechnen, vorschlagen

Im Fall der Bäckerei Ari haben die Berater ihr Ziel erreicht. Das Unternehmen wird im fünfstelligen Bereich investieren. „Ich habe nicht gedacht, dass das so viel ist“, sagt Bilyana Bayri. „Doch nach der Planung und Kalkulation rechnet sich das.“ Gute Noten bekommt der Service der Handwerkskammer: „Die ZEWU-Leute sind zu uns gekommen, haben sich alles angeschaut, durchgerechnet, technische Möglichkeiten vorgeschlagen, bei der Antragstellung geholfen. Das habe ich überhaupt nicht erwartet und gedacht, das lohnt sich ja wirklich.“
Nicht jedes Gewerk ist vom Auftrieb der Energiepreise in gleichem Maße betroffen. Auch wenn es für das Handwerk keine verlässlichen Kennzahlen über die Verbräuche gibt, so zählt der Wirtschaftszweig nicht zu den energieintensiven. Raphael Lindlar schätzt den Kostenanteil für Öl, Gas und Strom auf 3 bis höchstens 10 %. Als „Innovations- und Technologieberater“ arbeitet er im Rahmen eines Förderungsprogramms des Bundeswirtschaftsministeriums in einem Netzwerk von bundesweit 70 Beratern. Lindlar berät, seinen Hamburger ZEWU-Kollegen vergleichbar, die Betriebe im Bezirk der Handwerkskammer Lübeck auch zu den Themen Umwelt und Energieeffizienz. Energie ist vor allen für Betriebe Beratungsthema, die ein Ladengeschäft oder eine Werkstatt unterhalten, die mit Druckluftanlagen arbeiten, kühlen oder heizen, so Lindlar. Dennoch werde die Verbesserung der Energieeffizienz angesichts eines von Experten angenommenen Preisanstiegs für Öl, Gas und Strom von jährlich 10 % unausweichlich für alle an Bedeutung gewinnen.

Kosten einfach weitergeben?

Steigende Energiekosten an die Kunden weitergeben ist eine naheliegende Strategie, aber vor dem Hintergrund beinahe chronischer Konsumunlust hochproblematisch. Friseurmeister Torsten Funke aus Bad Oldesloe geht diesen Weg nicht. Der kleine Salon in Stormarns Kreisstadt steht im direkten Wettbewerb mit 15 weiteren Anbietern und hunderten, mit Barttrimmern oder Langhaarschneidern ausgestatteten Autodidakten, die schnell bereit sind, selbst Hand an ihr Haar zu legen. „Wenn wir die gestiegenen Beschaffungspreise einfach draufschlagen, reagieren die Kunden sofort“, sagt Funke. Schließlich zahle ja nicht nur der Betrieb die immer höheren Energiepreise. Jeder private Haushalt tue dies auch. Und wenn beim Kunden das Geld knapp wird, dann spart er zuerst im Restaurant, beim Bäcker, beim Fleischer und natürlich ganz schnell beim Friseur.
Torsten Funke unternimmt einiges, um für die Kunden die Preise  und für seinen Betrieb die Energiekosten stabil zu halten: Ein neues hocheffizientes Gasbrennwertgerät liefert Wärme, Zeitschaltuhren steuern die mit Energiesparlampen und -röhren bestückte Beleuchtung, Hochleistungsakkus stecken in den Geräten, der Wäschetrockner wird nur noch eingeschaltet, wenn es nicht anders geht, Standbybetrieb gibt’s nicht mehr und mit Schmuckbeleuchtung wird sehr sparsam umgegangen. Für die energetische Optimierung stehen Handwerksbetrieben eine Vielzahl von Möglichkeiten und Strategien offen. Das beginnt bei der Isolierung von Dach, Wänden, Fußböden und Fenstern an den Gebäuden, führt über den Bereich der Anlagentechnik und des Fuhrparks und reicht hin bis zur Nutzung regenerativer Energien, allen voran der Solarthermie.
Neben diesen technischen Maßnahmen spielt auch das Mitarbeiterverhalten eine große, häufig unterschätzte Rolle. Auf diesem Feld gibt es Schulungsangebote und eine Reihe unterstützender Programme wie den „Qualitätsverbund umweltbewusster Betriebe“ (QUB). Das ist ein integriertes Zertifizierungssystem für kleinere Unternehmen aus dem Handwerk.
Über alle diese Bereiche inklusive Kosten-Nutzen-Relation für geplante Maßnahmen und öffentliche Förderhilfen informieren die Berater der Handwerkskammern im Rahmen ihrer kostenlosen und neutralen Initial- oder „Aufschlussberatung“. Rufen Sie doch mal an! (NordHandwerk/tm)

Sie möchten sich unverbindlich beraten lassen oder haben noch Fragen zum Thema Energieeffizienz im Betrieb?

Die Berater Ihrer Handwerkskammer helfen Ihnen gerne weiter:

Handwerkskammer Hamburg
Verena Fürsicht
Tel.: 040 35905-505
E-Mail: vfuersicht@hwk-hamburg.de

(Foto: Mit moderner Umwelttechnik gegen hohe Heizkosten: Bilyana Bayri, Geschäftsführerin der Ari Bäckerei, und Bäckermeister Kemal Anilir.)


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